Der kleine Bergort Zuheros ist ein idealer Ausgangspunkt für Ausflüge in den Naturpark der Sierra Subbetica, einer noch fast unbekannten Bergwelt im Herzen Andalusiens. Man erreicht dieses Gebiet über die Route des Kalifats, welche die beiden wichtigsten Städte des einstmals maurischen Spanien – Cordoba und Granada – verbindet. Die Route teilt sich südlich von Cordoba in zwei Alternativstrecken, die sich erst bei Alcala la Real wieder vereinen. So kann man den Südwesten der Provinz Cordoba auf einem Rundkurs erkunden. Hinter Cordoba geht es zunächst durch eine Buckellandschaft mit weiten Getreidefeldern, dann erreicht man eine Region, in der auf allen Hügeln und Hängen nur Olivenbäume wachsen. Nur bei Montilla prägen Weinreben das Bild. Hier reift der Amontillado, ein naher Verwandter des Sherry.

Immer wieder leuchten weiße Städtchen aus dem silbrigen Grün der Olivenplantagen, meist überragt von einer Burg der Mauren. Der Südwesten der Provinz Cordoba war zur Reconquista, der christlichen Rückeroberung Spaniens, umkämpftes Grenzland zwischen der letzten, erst 1492 gefallenen arabischen Bastion Granada und dem schon 1236 von den Christen eroberten Cordoba. Priego de Cordoba ist einer der Geheimtipps an der Route des Kalifats, gerühmt wegen seiner Kirchen im Stil des Cordobeser Barock, seiner Gassen und der Fuente del Rey, einem der schönsten Brunnen Andalusiens.

Die Route des Kalifats ist eine sanfte Einstimmung auf Cordoba. Natürlich verlässt man hier das touristische Abseits, denn Cordoba ist ein Fixpunkt auf jeder Andalusien-Rundreise. Die Stadt war, wie man bei der Fahrt über die alte Römerbrücke erkennt, schon als andalusische Metropole des römischen Reiches bedeutend. Cäsar war hier, und ein Denker wie Seneca wurde in der Stadt am Fluss Guadalquivir geboren. Aber vor allem war es Zentrum des Kalifenreiches Al-Andalus der Omaijaden, die prächtige Hauptstadt des maurischen Spanien. Unter den Mauren hatte die Stadt vom 9. bis 13. Jahrhundert eine Million Einwohner. Heute sind es rund 300 000. Es war die größte und gelehrteste Stadt des damaligen Europa. Ein Hort der Toleranz – in Cordoba lebten Mauren, Christen und Juden einträchtig miteinander. Es gab zudem Straßenpflaster und -beleuchtung, Jahrhunderte bevor Städte wie London oder Paris sie einführten.

Vom Glanz des Kalifenreiches zeugt heute vor allem die Mezquita, die Moschee, so groß wie drei Fußballfelder. Die Christen ließen nach der Rückeroberung zunächst Kapellen, im 16. Jahrhundert dann eine komplette Kathedrale in die Mezquita bauen. Das Minarett verschwand komplett unter einem neuen Glockenturm. Gleich neben der Mezquita liegen die Gassen des alten Judenviertels mit den kühlen Patios, den schattigen, blumengeschmückten Innenhöfen. Durch eine der engsten Gassen kommt man auf den winzigsten Platz der Stadt, Handtuch (“Panuelo”) genannt. Die Altstadt ist reizvoll auch am Abend, denn in manchem Patio wartet ein Restaurant, eine Bodega, ein Tapas-Lokal auf Individualgäste – die meisten Bustouristen müssen abends in ihrem Hotel essen. Ein Kontrast zum Glanz der Kalifenzeit ist der Alcazar mit seinen weitläufigen Gärten. Dort residierten die spanischen Könige bis zur Eroberung Granadas. Dort soll ihnen auch Kolumbus seine Pläne für die Entdeckung des Seeweges nach Indien erläutert haben.

Andalusien kann man ganzjährig bereisen. Im Winter muss man mit Regentagen, im Juli/August mit großer Hitze rechnen. Mit dem Flugzeug fliegt man nach Madrid oder Sevilla, von dort geht es weiter mit dem Schnellzug Ave (Madrid-Cordoba 1,45 Stunden, Sevilla-Cordoba 30 Minuten). Material über die Route des Kalifats und Cordoba gibt es beim Spanischen Fremdenverkehrsamt.

Kategorie: Spanien

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